Die Kämpferin aus Leidenschaft und die Restschuldversicherung

Das Restschuld-versicherungen keine besonders guten Produkte sind, darüber hat der Policenschreck ja schon vor einigen Monaten berichtet: Hauptkritikpunkt sind dabei die Klauseln, die ziemlich einseitig zu Gunsten der Versicherungen ausgelegt sind und von Beratern vermittelt werden, die dafür nicht genug qualifiziert  sind.

 

Zwei ähnliche Fälle - Beide vergleichbar?

 

Im August 2015 nahm sich die RTL-Sendung "Helena Fürst - Kämpferin aus Leidenschaft" zweier Fälle an, bei denen  Kunden Restschuldversicherungen abgeschlossen hatten und danach die Zahlung verweigerten - Bei beiden Fällen aufgrund von Vorerkrankungen (Hier zum Ansehen bei RTLNOW), die laut Bedingungswerk ausgeschlossen seien würden. Normalerweise ist hier für den Standardkunden das Ende der Fahnenstange erreicht. Aber glücklicherweise gibt es ja RTL und seine Help-Docutainment-Shows, die nur auf solche Fälle warten, um sendefähiges Material zu bekommen.

 Das ominöse BGH-Urteil von 2014 - trifft es auf diese Fälle zu?


Helena Fürst übernahm die Betreuung beider Fälle und "ergoogelte" sich ein Urteil des Bundesgerichtshofes (IV ZR 289/13 ), das besagt, das eine bestimmte Klausel einer bestimmten Restschuldversicherung intransparent und ungültig sei. In besagter Klausel wurden der Versicherungsschutz aufgrund Vorkrankungen (unklar und schwammig formuliert ) ausgeschlossen, worauf in beiden Fällen die (unterschiedlichen) Versicherungen die Leistung ablehnten.

 

Frau Fürst bemängelte in der Sendung, dass keine Gesundheitsprüfung durchgeführt worden sei und erst, als es zum Leistungsfall kam, man sich nach dem Gesundheitszustand des Kunden erkundigte. Hierzu muss man erwähnen, dass es bei Restschuldversicherungen nie zu Gesundheitsprüfungen kommt, da sonst ein Vertrieb über Banken, Sparkassen, Autohäuser und den Einzelhandel kaum möglich wäre.

 

Geringe Qualifizierung der Vermittler von Restschuldversicherungen

 

Hier muss man allerdings klar bemängeln, dass solche Produkte von wenig qualifizierten Verkäufern angeboten und vermittelt werden, die zum Teil die Bedingungswerke nicht oder deren Bedeutung nicht kennen.

Hätten Bank und Autoverkäufer die Kunden explizit auf das Thema Gesundheitsfragen hingewiesen, wären die Kunden im Leistungsfall über die Nichtleistung nicht so überrascht gewesen.

 

Aber zurück zum "sensationellen" BGH-Urteil: Mit diesem Urteil in der Tasche marschierte Frau Fürst mit den Kunden zu den jeweiligen Versicherungen, präsentierte das BGH-Urteil und wollte am liebsten die Versicherungsleistung gleich mitnehmen. In einer sehr fordernden und frechen Art präsentierte sich ihren Gesprächspartnern, allerdings nachträglich mit Schauspielern inszeniert, da die Versicherungen nur ohne Kamera mit ihr reden wollten.

 

Nur mal so ganz nebenbei: Wenn jemand an meinem Tisch sitzen würde und so mit mir reden würde, den würde ich ganz schnell vor die Türe setzen...

 

Frau Fürst hat Erfolg - Auf welcher Grundlage?

 

Am Ende der Sendung hatte Frau Fürst für beide Schützlinge die entsprechenden Entschädigungssummen erkämpft, zum Teil sogar über den Vertrag hinausgehende Leistungen. Beiden Familien ist im Übrigen das nun ausgezahlte Geld vonHerzen gegönnt.

 

Für mich als Zuschauer bleiben folgende Fragen offen?

 

- Betraf das erwähnte BGH-Urteil überhaupt die Verträge beider Familien? 

  Die Bedingungswerke wurde nie gezeigt, bzw. zitiert.

 

- Haben beide Versicherungen eine Rechtspflicht anerkannt und gezahlt 

  oder wurde nur aus Kulanz gezahlt? Da es in der Sendung nicht erwähnt

  wurde, kann man davon ausgehen, das es sich heir um eine Kulanz-

  Zahlung handelte. Auch war nicht erkennbar, um welche Versicherungen

  es sich handelte - weiteres Indiz.

 

- Warum ist man nicht die Vermittler der Restschuldversicherung (Bank 

  und Autohaus) angegangen, die genauso in der Haftung mit drin sind?

 

- Leider fehlt auch die Information, dass es Frau Fürst gelungen ist, die

  Kreditrate der einen Familie zu senken, sich dabei allerdings natürlich  

  die Laufzeit des Kredites verdoppelt

 

Hier bleibt der Verdacht, dass die Versicherungen allein aufgrund des medialen Drucks bereit waren zu zahlen, und nicht aufgrund einer Rechtsgrundlage. Leider werden wir das wahrscheinlich nie erfahren.

 

Nur was machen die Leute, die nicht einen Fernsehsender auf ihrer Seite haben und möglicherweise wirklich berechtigte Ansprüche haben? Für die bleibt dann - ohne mediale Unterstützung - der Versicherungsombudsmann oder am Ende der Rechtsanwalt.

 

Fazit: Leider wurde zu wenig drauf eingegangen, dass es nicht empfehlenswert ist, eine solche Versicherung abzuschliessen, da sie - meiner Meinung nach - die Versicherungsgesellschaften stark bevorteilt. 

Außerdem wurde nicht klar gesagt, dass es sich um ein BGH-Urteil zu einer speziellen Klausel eines bestimmten Versicherers handelt - also unter Umständen auf die vorliegenden Fälle gar nicht zutreffend...

 

Also: Bitte nicht alles glauben, was im TV so über die Mattscheibe flimmert...


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