Kinder haften für ihre Eltern...

Der aufmerksame Leser wird sich vielleicht fragen - "Moment, das ist doch andersrum, oder?" Das stimmt, aber nicht, wenn es um die Unterhaltspflicht von Kindern für ihre Eltern - speziell im Pflegefall geht.

 

Vielen Menschen ist das finanzielle Risikos eines Pflegefalls gar nicht bewusst, denn man ist im irrigen Glauben, das man über die gesetzliche Pflegeversicherung ausreichend abgesichert ist. In der Regel erfährt man allerdings erst Näheres, wenn im persönlichen Umfeld ein Freund oder Verwandter zum Pflegefall wurde.

 

hohe Kosten bereits bei ambulanter Pflege

 

Aufgrund des in Kraft Tretens des Pflegestärkungsgesetzes am 1.1.2017 und dem damit verbunden Wechsel von den drei Pflegestufen zu den fünf Pflegegraden, gibt es zur Zeit noch keine aktuellen Zahlen so, dass ich Basis die vorherigen Werte heranziehen muss: So kostete eine ambulante, also häusliche Pflege, in Pflegestufe 1 ( jetzt Pflegegrad 2) im Durchschnitt 850 €, die Leistung der gesetzlichen Pflegeversicherung beträgt hingegen nur

689 € (Stand 6/2017). Allein hier also besteht eine Lücke von 161 €.

Bei einer Pflege in einer stationären Einrichtung in Pflegegrad 5 ( vormals Pflegestufe 3) betragen die Kosten durchschnittlich 3.500 € pro Monat, der Zuschuss der Pflegekasse beträgt hier nur 2005 € - das bedeutet, dass 1.495 € jeden Monat von dem Pflegebedürftigen, bzw. seinen Angehörigen aufgebracht werden muss.

  

Unterschied zwischen den einzelnen Pflegearten 

 

Pflege durch Angehörige bedeutet, dass der Pflegebedürftige zu Hause in seiner gewohnten Umgebung von seinen Angehörigen gepflegt wird. Hier wird von der Pflegekasse ein Pflegegeld ausgezahlt (siehe Tabelle oben). Diese Leistungen sind u.a. auch mit Leistungen aus der teilstationären Pflege kombinierbar.

Teilstationäre Pflege bedeutet, dass der Pflegebedürftige einzelne oder alle Tage in einer Pflegeeinrichtung verbringt - beispielsweise von Morgens bis zum Nachmittag oder über die Nacht. Allerdings wird diese Nachtpflege selten angeboten.

Braucht man bei der Pflege Unterstützung, kann man auch einen ambulanten Pflegedienst beauftragen - die Mitarbeiter des Pflegedienstes kommen dann zu einem nach Hause und unterstützen die Angehörigen bei der Pflege.

Bei der vollstationären Pflege lebt der Patient dauerhaft im Pflegeheim. Die Kosten für eine Platz im Pflegeheim sind relativ hoch und kann bis zu 4000 Euro im Monat betragen. Den Teil, den die Pflegekasse nicht übernimmt, muss vom Patienten oder seinen Angehörigen aufgebracht werden.

 

Kosten eines Pflegeheimplatzes in Deutschland im Jahr 2011
Kosten eines Pflegeheimplatzes in Deutschland im Jahr 2011

Das Geld langt nicht - und nun?

 

Was passiert, wenn die Rente und des Vermögen des pflegebedürftigen nicht reichen, um die Pflegekosten zu bezahlen?

In erster Linie ist zunächst der Ehepartner unterhaltspflichtig.Das bedeutet, das das ganze Hab und Gut mit wenigen Ausnahmen zur Begleichung der Pflegekosten eingesetzt werden muss. Verschont bleiben die Wohnungseinrichtung und das Eigenheim, solange einer der beiden Ehepartner darin wohnt. Lebensversicherungen müssen hingegen aufgelöst werden, Bargeld bis zu einem "Notgroschen" , den das Sozialamt bestimmt,  ebenfalls.

Doch was passiert, wenn auch das Vermögen des Ehepartners nicht ausreichend, um die Kosten zu decken? 

In diesem Fall sind in der Tat die Kinder des Pflegebedürftigen unterhaltspflichtig. Da spielt es auch keine Rolle,ob der Kontakt zu den Kindern schon länger abgebrochen wurde oder die Kinder enterbt wurden.  Kinder müssen ein Teil ihres Einkommens und sogar ein Teil ihres Vermögens zur Begleichung der Pflegekosten einsetzen.

 

Für viele Betroffenen sind ist diese Nachricht erst einmal ein Schock, zumal man dem Sozialamt seine Vermögensverhältnisse offen legen muss - das gilt dann sogar für den jeweiligen Lebenspartner, obwohl dieser nicht den Unterhalt des Pflegebedürftigen bestreiten muss.

 

 

Versorgungslücke in der Pflegeversicherung: Kurz erklärt in diesem Video

Policenschreck-Videoblog zum Thema: Pflegeversicherung


Nicht nur alte Menschen werden pflegebedürftig

 

Aber nicht nur ältere Menschen sind von dieser Gefahr betroffen, auch jüngere Menschen können durch Unfall oder Krankheit zum Pflegefall werden. Hierbei entstehen unter Umständen sogar höhere Kosten, da die Zeitspanne, in der gepflegt werden muss, deutlich länger ist, als bei älteren Pflegebedürftigen.

 

Wenn die gesetzliche Absicherung nur einen kleinen Teil der Kosten abdeckt, muss man sich nach einer Ergänzungsabsicherung umschauen. Das könnte z.B. eine Pflegetagegeldversicherung sein, die im Falle eines Pflegefalles je nach Pflegegrad einen festen Tagessatz auszahlt.

 

Die seit Anfang 2013 bestehende Förderung für Pflegeversicherung taugt meiner Meinung nach nicht besonders viel: Die Produkte sind nicht leistungsstark genug, um die entstehenden Kosten auffangen zu können. Oft sind auch die Bedingungswerke schlechter, als bei den umgeförderten Tarifen. Interessant könnte hingegen eine solche Absicherung für Menschen sein, die Vorerkrankungen haben, da die die Versicherer niemanden wegen Krankheit und Alters ablehnen können.

 

Alternative Produkte sind Pflegekostenversicherungen und Pflegerentenversicherungen. Bei einer Pflegekostenversicherungen werden Ihnen die Aufwendungen für (professionelle) Pflege bis zur vereinbarten Höchstsumme gegen Kostennachweis erstattet. Bei einer Pflegerentenversicherung wird - je nach Pflegestufe - eine vereinbarte Rente gezahlt, die nicht zweckgebunden ist und demnach auch für pflegende Angehörige oder eine Haushaltshilfe verwendet werden kann. Das günstigste Produkt stellt die Pflegekostenversicherung da, die teurere, aber auch flexibelste Variante ist die Pflegerentenversicherung, weil hier auch eine Beitragszahlung gegen Einmalbeitrag möglich ist - steigende Beiträge sind somit ausgeschlossen.

 

Fazit: Pflegebedürftigkeit ist ein oft unterschätzes Risiko - vor allem der finanzielle Anteil ist vielen nicht klar. Lassen Sie es nicht soweit kommen, dass Sie Ihr Vermögen zur Finanzierung von Pflegeleistungen einsetzen müssen und sorgen Sie mit einer privaten Pflegeversicherung vor.

 

Dieser Artikel wurde am 1.6.2017 aktualisiert.

 

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