Viele Menschen glauben:
Ein Versicherungsmakler arbeitet mit allen Versicherungsgesellschaften zusammen und findet deshalb automatisch den besten Tarif am gesamten Markt.
Das klingt logisch, ist aber so nicht ganz richtig.
Ein Versicherungsmakler hat in der Regel einen sehr guten Überblick über viele Versicherer, Tarife und Vertragsbedingungen. Einen vollständigen Marktüberblick über wirklich alle Versicherungen kann aber praktisch kein Makler bieten.
Warum das so ist und was das für Privatkunden bedeutet, erkläre ich in diesem Beitrag.
Was macht ein Versicherungsmakler eigentlich?
Ein Versicherungsmakler ist nicht an eine bestimmte Versicherungsgesellschaft gebunden. Er arbeitet im Auftrag seiner Kundinnen und Kunden und soll passende Versicherungslösungen empfehlen.
Rechtlich ist ein Versicherungsmakler verpflichtet, seiner Empfehlung eine hinreichende Zahl von Versicherungsverträgen und Versicherern zugrunde zu legen. Ziel ist, nach fachlichen Kriterien einen Vertrag zu finden, der zu den Bedürfnissen des Kunden passt.
Wichtig ist dabei das Wort: hinreichend.
Das bedeutet nicht:
„alle Versicherer, die es in Deutschland gibt“.
Sondern:
eine fachlich ausreichende und nachvollziehbare Auswahl.
Warum kein Makler den kompletten Markt abdecken kann
Der Versicherungsmarkt ist groß, unübersichtlich und ständig in Bewegung. Tarife ändern sich, neue Anbieter kommen hinzu, andere verschwinden oder verändern ihre Vertriebswege.
Dazu kommt: Nicht jeder Versicherer arbeitet mit Versicherungsmaklern zusammen.
1. Manche Versicherer arbeiten nur mit eigenem Vertrieb
Einige Versicherungsgesellschaften setzen ausschließlich oder überwiegend auf eigene Vertreter, Agenturen oder Geschäftsstellen.
Diese Versicherer stellen ihre Produkte Maklern oft gar nicht zur Vermittlung zur Verfügung.
Das macht diese Versicherer nicht automatisch besser oder schlechter. Es bedeutet nur:
Ein Makler kann solche Tarife häufig nicht aktiv anbieten oder vermitteln.
2. Direktversicherer laufen oft am Maklermarkt vorbei
Direktversicherer verkaufen ihre Produkte meist direkt über das Internet, telefonisch oder über eigene Online-Strecken.
Auch hier gilt:
Viele dieser Tarife stehen Versicherungsmaklern nicht oder nur eingeschränkt zur Verfügung.
Für Privatkunden kann das interessant sein, wenn sie bewusst einen sehr schlanken Online-Abschluss suchen. Allerdings fehlt dann oft die persönliche Beratung, die Prüfung der Vertragsdetails und die spätere Unterstützung im Schadenfall.
3. Nicht jeder Tarif erscheint in Vergleichsprogrammen
Viele Kunden glauben, dass Vergleichssoftware automatisch den gesamten Markt abbildet.
Auch das stimmt nicht.
Vergleichsprogramme sind hilfreiche Werkzeuge. Sie zeigen viele Tarife, Leistungen und Beiträge übersichtlich an. Aber sie enthalten nicht immer alle Versicherer, Sonderkonzepte, Spezialtarife oder Direktangebote.
Ein guter Versicherungsmakler verlässt sich deshalb nicht blind auf ein Vergleichsprogramm, sondern prüft zusätzlich, welche Lösung tatsächlich zur Situation des Kunden passt.
4. Manche Konzepte gibt es nur über Maklerpools, Verbände oder Spezialanbieter
Es gibt Versicherungslösungen, die nicht jedem Vermittler offenstehen.
Dazu gehören zum Beispiel:
- Sonderkonzepte über Maklerpools
- Rahmenvereinbarungen
- Spezialtarife für bestimmte Berufsgruppen
- Deckungskonzepte einzelner Anbieter
- exklusive Lösungen größerer Maklerhäuser
Auch dadurch entsteht kein vollständig einheitlicher Markt. Zwei Makler können deshalb in bestimmten Bereichen unterschiedliche Zugriffsmöglichkeiten haben.
Was bedeutet das für Privatkunden?
Für Privatkunden ist wichtig zu verstehen:
Ein Versicherungsmakler kann sehr viel Markttransparenz schaffen.
Er kann aber nicht garantieren, dass wirklich jeder einzelne Tarif am Markt berücksichtigt wurde.
Das ist auch rechtlich nicht zwingend erforderlich. Entscheidend ist, dass die Beratung auf einer ausreichenden, fachlich sinnvollen Marktgrundlage erfolgt und der Kunde nachvollziehen kann, wie die Empfehlung zustande kommt. Bei eingeschränkter Auswahl muss der Vermittler darüber informieren.

