Die Kosten für Baumaterialien sind in den letzten Jahren explodiert – und das bleibt für Hausbesitzer nicht ohne Folgen. Die Prämien der Wohngebäudeversicherung steigen kräftig, weil sie direkt an die aktuellen Baukosten gekoppelt sind. Viele Eigentümer sind davon überrascht, doch die Entwicklung ist systembedingt und kaum zu vermeiden.
Versicherung zum "gleitenden Neuwert"
Wohngebäude werden in Deutschland meist zum sogenannten gleitenden Neuwert versichert. Das bedeutet: Im Schadenfall zahlt der Versicherer nicht den ursprünglichen Baupreis, sondern die aktuellen Kosten für Reparatur oder Wiederaufbau. Dadurch ist man vor Unterversicherung geschützt – allerdings steigen automatisch auch die Beiträge, wenn Material- und Lohnkosten anziehen.
Massive Steigerungen bei Baustoffen
Laut Statistik haben sich viele Baustoffe seit 2020 extrem verteuert
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Flachglas: +49 %
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Holzfaserplatten: +46 %
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Baustahl: +40 %
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Bitumen: rund +38 %
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Asphaltmischgut: +26 %
Ursachen sind Lieferkettenprobleme durch die Corona-Pandemie, der Ukrainekrieg sowie stark gestiegene Energiepreise. Insgesamt stiegen die Neubaukosten beispielsweise 2022 im Jahresdurchschnitt um rund 16 % – der höchste Wert seit Beginn der Erhebung 1958.
Wie die Beitragserhöhungen entstehen
Die Versicherer passen ihre Tarife jedes Jahr mit einem sogenannten Anpassungsfaktor an. Dieser wird berechnet aus:
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zu 80 % dem Baupreisindex für Wohngebäude
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zu 20 % dem Tariflohnindex für das Baugewerbe
Steigen diese Indizes, erhöht sich automatisch die Versicherungssumme – und damit der Beitrag. 2023 lag der Anpassungsfaktor bei rund +14,7 %. Für viele Kunden bedeutet das Prämiensteigerungen von bis zu 30 %, in Einzelfällen sogar mehr.
Vorteil und Nachteil zugleich
Vorteil:
Im Schadenfall ist das Haus wirklich zu 100 % versichert – auch wenn die Reparaturkosten explodiert sind.
Nachteil:
Die steigenden Bau- und Lohnkosten werden direkt an die Kunden weitergegeben. Wer heute ein Haus neu aufbauen müsste, zahlt ein Vielfaches im Vergleich zu früher – und entsprechend steigen die
Beiträge.
Versicherer unter Druck
Nicht nur die Kunden leiden unter der Entwicklung: Auch die Versicherer kämpfen mit immer höheren Schadenkosten, vor allem durch Extremwetterereignisse wie Starkregen oder Flutkatastrophen. Deshalb kommen zu den Baukosten-Anpassungen oft noch zusätzliche Tarifänderungen wegen gestiegener Risiken hinzu.
Fazit für Hausbesitzer
Die Wohngebäudeversicherung bleibt unverzichtbar – aber sie wird spürbar teurer. Eigentümer sollten ihre Policen regelmäßig prüfen, vergleichen und gegebenenfalls Selbstbeteiligungen oder Leistungsbausteine anpassen. Denn eines ist klar: Die Zeiten günstiger Prämien sind vorerst vorbei.
