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Nachhilfe für Journalisten: Der Unterschied zwischen einem Versicherungsmakler und einem Versicherungsvertreter

Gerne lese ich die Sonderhefte der großen Printmedien zu den Themen Versicherungen und Vorsorge. Das aktuellste stammt aus der Redaktion des Focus und trägt den Titel: "Focus Spezial - Versicherungen 2018". Und ich muss sagen: Es stehen viel Richtiges drin, auch etwas über den Tellerrand geschaut, beispielsweise wie Versicherungskonzerne sich neu und zukunftsorientiert aufstellen - auch hinsichtlich des Themas Digitalisierung. Doch leider wird der recht positive Eindruck durch einen Fehler zurechtgerückt, der "Experten" nicht passieren sollte: Man verwechselt Versicherungsmakler mit Versicherungsvertretern. Deswegen liebe Focus-Journalisten: Aufgepasst: Mit mir und diesem Blogbeitrag bekommt Ihr das im nächsten Heft bekommt hin!

 

Immer wieder der gleiche Fehler

 

Bereits 2015 habe ich versucht, der Allgemeinheit den Unterschied zwischen einem Versicherungsmakler und einem Versicherungsvertreter zu erklären, wie man hier noch nachlesen kann.

 

Im aktuellen Sonderheft des Focus zum Thema Versicherungen passiert dieser Fehler leider mehrfach. Zum einen heißt es auf Seite 42: "Nicht ohne Grund gehören Versicherungsmakler seit Jahren zu den unbeliebtesten Berufsgruppen, zeigen Umfragen immer wieder" Neben dem seltsamen Satzbau spielt dieser Satz auf die jährliche GfK-Umfrage zum Thema "Vertrauenswürdige Berufe" an. Blöderweise ist da aber nicht von Versicherungsmaklern, sondern von Versicherungsvertretern die Rede. Anscheinend denkt man bei Focus, dass beides das gleiche ist...

 


Versicherungsmakler ist der "Sachwalter" des Kunden

 

Also schauen wir nochmal genau hin: Während der Versicherungsmakler im Auftrag des Kunden unterwegs ist ( suche mir Versicherung xy mit den Eigenschaften A und B) ist der Vertreter im Auftrag der Versicherungsgesellschaft mit der Prämisse: "Bringe soviel Verträge wie möglich an den Mann". 

Der Status eines Versicherungsvermittlers ist auch kein Geheimnis, diese Information findet sich beispielsweise auf der

Erstinformation, die dem Kunden beim Erstkontakt ausgehändigt wird, oder auf der Homepage www.vermittlerregister.info.

 

Jetzt könnte man ja meinen: Fehler passieren, nicht schlimm - Flüchtigkeitsfehler. Allerdings geht es auf Seite 44 weiter: "Deshalb war ich heilfroh, überhaupt Geld zu bekommen. Dass sein Makler ungeschoren davon kam, wurmt Herrmann bis heute: Ich lasse keine Vertreter mehr in Haus". Nun gut, da hat die Autorin des Artikels den Unterschied zwischen beiden Berufen nicht verstanden. Peinlich, sollte spätestens beim Korrekturlesen geändert werden - zwar nicht passiert, ist halt so.

 

Aber es geht weiter: Ab Seite 102 stellt Focus die "Top-Versicherungsmakler 2018" vor "empfohlen von Kunden und Kollegen" Hier wurden - laut Angabe - die Bewertungen aus Google, Facebook und dem Portal "www.kennstdueinen.de" ausgewertet, dazu Online-Umfragen von 11670 Versicherungskunden. Wie diese Umfrage zustande kam, wann und wo und aus welchem Anlass befragt wurde, bleibt im Dunkeln - dass nur nebenbei - wir beschäftigen uns mit der Lernschwäche von Journalisten und dem Unterschied zwischen Versicherungsmaklern und Vertretern.

 

Quelle: Focus Spezial: Versicherungen 2018

Ich beschränke mich einfach mal auf mein direktes Umfeld und finde dort schon mal drei Unternehmen, die laut eigenem Impressum, bzw. der Registrierung als Versicherungsvertreter tätig sind (Stand Juni 2018).

 

Übrigens sagt die Tatsache, dass diese Unternehmen "nur" als Vertreter agieren, nichts über die Beratungsqualität und die Qualität der angebotenen Produkte aus. Man sollte halt nur wissen: So haben beispielsweise einzelne Anbieter  nur Produkte aus dem eigenen Konzern im Angebot, während ein "echter" Makler Zugriff auf einen Großteil des Marktes hat und das Produkt anbieten kann, dass zum Kunden passt und nicht umgekehrt. Auch ist es haftungsrechtlich ein Unterschied, ob Ihr von einem Makler oder einem Versicherungsvertreter beraten werdet: Wie oben bereits beschrieben, ist der Makler im Auftrag des Kunden unterwegs, er ist der "Sachwalter" des Kunden - die Beratungs- und Betreuungspflicht demnach umfassender, als bei einem Versicherungsvertreter. 


Um es nochmal klarzustellen: Die Unternehmen in der Übersicht haben nichts falsch gemacht und firmieren auch korrekt als Versicherungsvertreter. Den Fehler haben Focus und der Partner Statista gemacht, die bei ihrer Onlineumfrage wohl nicht zwischen Makler und Vertreter unterschieden haben.

 

Der Top-Makler-Siegel für 5000 Euro

 

Interessant übrigens, dass der Focus die Makler, die in dieser Top-Makler-Liste aufgeführt werden anschreibt, und Ihnen für 5000 Euro anbietet, mit einem entsprechenden Siegel und der Liste und weiterem Marketing-Material zu werben. Es wird interessant zu sehen, ob die Makler, die kein Interesse am 5000-Euro-Siegel haben, im nächsten Heft wieder mit dabei sind...

Videoblog: Der Unterschied zwischen Versicherungsmakler und Versicherungsvertreter

weitere Informationen:

 

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